Der Kampf gegen Drohnen entwickelt sich rasant. Waren vor einigen Jahren vor allem einzelne Quadrokopter ein Problem, sieht man nun immer häufiger koordinierte Schwärme, die in kurzer Zeit großen Schaden anrichten können. Klassische Flugabwehr wie Flugkörper oder Schnellfeuerkanonen ist oft zu teuer oder schlicht nicht effizient gegen Dutzende kleine, billige Fluggeräte gleichzeitig.
Vor diesem Hintergrund präsentiert das US-Rüstungsunternehmen Raytheon eine bemerkenswerte Lösung: den Coyote Block 3NK. Kein klassischer Abfangflugkörper, sondern eine kompakte, wiederverwendbare Drohne, die feindliche Drohnen aus der Nähe ohne Sprengladung ausschalten kann.
Was genau ist der Coyote Block 3NK?
Die Coyote-Familie gibt es schon länger. Das System wurde ursprünglich als kleine Aufklärungsdrohne entwickelt, die aus einem Startrohr abgefeuert wird. Inzwischen ist es zu einer modularen Plattform geworden, die speziell für Counter-Unmanned Aircraft Systems, also die Bekämpfung feindlicher Drohnen, angepasst wurde.
Die Variante Block 3NK ist dabei besonders. Während frühere Versionen kinetisch wirkten, also durch einen explosiven oder physischen Aufprall, nutzt diese Ausführung eine nicht-kinetische Nutzlast. Konkret bedeutet das elektronische Störung.
Sobald der Coyote nahe genug an eine feindliche Drohne oder einen Schwarm herankommt, aktiviert er ein elektronisches System, das Steuerung und Kommunikation der Ziele stört. Viele Drohnen sind auf Funksignale, Datenlinks oder GPS angewiesen. Wird diese Verbindung abrupt unterbrochen oder manipuliert, verlieren sie die Orientierung, die Kontrolle oder stürzen ab.
Der große Vorteil liegt auf der Hand. Keine Explosion in der Luft, keine umherfliegenden Splitter und damit ein viel geringeres Risiko von Kollateralschäden. Und auch die Kosten sind geringer (das Video unten zeigt eine Version mit Sprengladung)
Wie fliegt und operiert das System?
Der Coyote wird aus einem Rohr gestartet, vergleichbar mit einem Flugkörper-Startbehälter, das auf Fahrzeugen, Schiffen oder festen Anlagen montiert werden kann. Nach dem Start klappen die Flügel aus und das Fluggerät schaltet auf seinen eigenen Antrieb um.
Block-3-Varianten sind mit einem kleinen Strahltriebwerk ausgerüstet. Dadurch können sie schneller und höher operieren als viele herkömmliche Drohnenabwehrmittel. Das ist entscheidend gegen moderne Bedrohungen, die nicht nur tief und langsam fliegen, sondern auch in größerer Höhe und mit höherer Geschwindigkeit operieren.
Einmal in der Luft, kann der Coyote selbstständig ein Gebiet überwachen. Über Sensoren kann er feindliche Drohnen erkennen. Auf Anweisung eines Führungssystems kann er Ziele anfliegen und dann auf kurze Distanz die elektronische Störung aktivieren.
Was den 3NK wirklich auszeichnet: Er ist nach dem Einsatz nicht zwangsläufig verloren. Da er keinen explosiven Aufprall benötigt, kann er, sofern die Mission es zulässt, zurückgerufen und erneut eingesetzt werden. Das macht das System wirtschaftlich attraktiver als Abfangflugkörper, die nach einem Einsatz verloren sind.
Wirksam gegen Schwärme
Drohnenschwärme gehören zu den größten Sorgen moderner Armeen. Wenn zehn, zwanzig oder sogar fünfzig kleine Drohnen gleichzeitig ein Ziel angreifen, sind klassische Systeme schnell gesättigt. Jeder abgefeuerte Flugkörper kostet schnell Hunderttausende Euro, während die angreifenden Drohnen manchmal nur einen Bruchteil davon kosten.
Ein nicht-kinetisches System wie der Coyote 3NK geht das anders an. Durch elektronische Störung innerhalb eines Schwarms können mehrere Drohnen gleichzeitig ihre Navigation verlieren. Statt jedes Ziel einzeln abzuschießen, wird das Netzwerk oder die Steuerung als Ganzes angegriffen.
Dieses Prinzip findet sich immer häufiger in moderner Luftverteidigung: nicht nur das physische Objekt zerstören, sondern sein digitales Rückgrat ausschalten.
Teil eines breiteren Trends
Die Einführung des Coyote 3NK steht nicht für sich allein. Weltweit verändert sich die Luftverteidigung. Der Schwerpunkt liegt stärker auf elektronischer Kampfführung. Wiederverwendbare Abfangmittel rücken in den Fokus. Auch der Schutz gegen Schwärme gewinnt an Aufmerksamkeit.
Wo zunächst vor allem in Kategorien von Flugkörper gegen Flugkörper gedacht wurde, entsteht nun ein mehrschichtiges System aus Sensoren, Störsendern, Lasern, Kanonen und autonomen Abfangmitteln.
Der Coyote Block 3NK fügt dem eine neue Dimension hinzu: eine Drohne, die andere Drohnen aus der Nähe digital ausschaltet und danach für den nächsten Einsatz zurückkehrt.
























