Ein Kampfjet, der auf seinem Heck steht, senkrecht aufsteigt und danach horizontal weiterfliegt. Das ist die Idee hinter X-BAT, dem unbemannten Kampfflugzeug von Shield AI. Die Startbahn verschwindet aus dem Entwurf; ein KI-Pilot soll die komplizierten Flugmanöver übernehmen.
Das Programm hat inzwischen ernsthafte finanzielle Rückendeckung. Shield AI und die US-Regierung haben zusammen 400 Millionen Dollar an Investitionen und Zusagen angekündigt. Die ersten Flugtests sind für später im Jahr 2026 geplant. Die Reportage unten zeigt die Präsentation und die Ambitionen hinter dem Flugzeug.
Ein Kampfflugzeug ohne Flugplatz
Die Konstruktionsdaten des X-BAT beflügeln die Fantasie: eine Spannweite von 39 Fuß, fast zwölf Meter, und eine maximale Reichweite von mehr als 2.000 Seemeilen, gut 3.700 Kilometer. Das sind Entwurfsziele, die sich in den Flugtests erst bestätigen müssen.
Shield AI will ein Flugzeug, das von Schiffen, Inseln und abgelegenen Orten aus operieren kann. Das hat einen praktischen Vorteil: Eine beschädigte Startbahn muss eine Gruppe von Flugzeugen nicht sofort am Boden halten. Die Maschinen lassen sich auf mehr Standorte verteilen.
Die Düse ist ein wichtiger Teil der Steuerung
Um ein so großes Flugzeug senkrecht fliegen zu lassen, braucht es weit mehr als ein starkes Triebwerk. Die Richtung des Schubs muss präzise geregelt werden. Der X-BAT erhält dafür ein F110-GE-129E von GE Aerospace mit einer schwenkbaren AVEN-Düse.
Die Unternehmen meldeten im Juli 2026, dass Triebwerk und Düse gemeinsam am Boden getestet worden waren. Durch das Schwenken der Düse kann das System den Schub ausrichten. Das soll helfen, das Flugzeug beim senkrechten Starten und Landen in der richtigen Lage zu halten.
Darin steckt ein überraschendes Stück Luftfahrtgeschichte. Die AVEN-Technik wurde ursprünglich in den 1990er-Jahren für Tests mit einer F-16 entwickelt. Für den X-BAT wird diese Erfahrung an eine neue Aufgabe angepasst: ein großes, unbemanntes Flugzeug ohne Startbahn fliegen zu lassen.
Hivemind sitzt auf dem Pilotensitz
Die Steuerungssoftware heißt Hivemind. Shield AI entwickelt sie für Flugzeuge, die selbstständig navigieren und Aufgaben ausführen sollen, auch wenn GPS gestört oder die Kommunikation eingeschränkt ist. Ein Operator gibt Befehle auf Missionsebene, statt jede Bewegung ständig mit dem Steuerknüppel vorzugeben.
Das ist wichtig für ein Flugzeug, das von abgelegenen Orten aus starten soll. Eine zuverlässige Datenverbindung ist dort keine Selbstverständlichkeit. Die KI muss den Flug innerhalb der Grenzen und Vorgaben durchführen können, die das System erhält.
An den Testflugzeugen wird bereits gebaut
Laut der Ankündigung vom 8. Oktober arbeiten rund 500 Ingenieure von Shield AI und Zulieferern an dem Programm. Den jüngsten staatlichen Beitrag von 150 Millionen Dollar stockt Shield AI um denselben Betrag auf. Zusammen mit früheren Beiträgen kommt die angekündigte Gesamtsumme auf 400 Millionen Dollar.
Die Triebwerksversuche und Windkanaltests sind Schritte auf dem Weg zum Erstflug. Danach muss sich zeigen, wie sich das Flugzeug beim Übergang vom senkrechten in den waagerechten Flug verhält. Gerade dieser Übergang macht den Entwurf so interessant: Eine Maschine muss zwei sehr unterschiedliche Flugweisen beherrschen.
Software und Strahltriebwerk kommen zusammen
X-BAT zeigt, wie die Rolle von Software in der Luftfahrt wächst. Das Flugzeug wird von Anfang an rund um autonome Steuerung und verteilten Einsatz entworfen. Die besondere Form ist also kein Kunststück, sondern eine Folge der Art, wie Shield AI das Flugzeug einsetzen will.
Die wichtigsten Bilder müssen noch entstehen: die des Testflugzeugs, das tatsächlich vom Boden abhebt. Bis dahin bleibt es ein Entwicklungsprogramm mit einer bemerkenswerten Kombination aus bewährter Triebwerkstechnik, schwenkbarer Düse und digitalem Piloten.






















