TUSSENHAUSEN, Deutschland: Das deutsche Rüstungs-Start-up Helsing hat eine neue autonome Kampfdrohne vorgestellt: die CA‑1 Europa. Das Unternehmen präsentierte in seinem Werk in Tussenhausen in Bayern ein Modell des einmotorigen UCAV in Originalgröße. Die Drohne mit kantigem Rumpf, Hundezahnflügel und V-Leitwerk ähnelt der zuvor von Boeing Australien entwickelten MQ-28 Ghost Bat, doch Helsing betont, dass ihr Entwurf vollständig europäisch ist.
Die CA‑1 wiegt rund 4.000 kg, ist etwa 11 Meter lang und hat ein Bugradfahrwerk für den Betrieb von herkömmlichen Start- und Landebahnen. Das Fluggerät ist für interne Bewaffnung ausgelegt, doch Details zur Größe der Waffen oder zur Art der Munition hält Helsing noch geheim.
Autonomie und Wingman-Rolle
Helsing will, dass die CA‑1 nicht nur selbstständig operieren, sondern auch in Gruppen zusammenarbeiten oder als Loyal Wingman neben bemannten Kampfflugzeugen fliegen kann. Dieses Konzept, inzwischen bei Luftstreitkräften weltweit beliebt, ermöglicht es Drohnen, Kampfeinsätze zu unterstützen, die Luftabwehr zu stören oder Risiken in feindlichen Umgebungen zu verteilen. Wie viel Autonomie die CA‑1 letztlich bekommt, ist noch unklar, doch das Ziel ist, dass die Drohne sowohl allein als auch im Schwarm operieren kann.
Investitionen und Zeitplan
Das 2021 gegründete Unternehmen, bislang vor allem für seine KI-Technologie für kleinere Drohnen bekannt, die unter anderem in der Ukraine eingesetzt wurden, plant einen Erstflug für 2027. Der Einsatz wird vor 2031 erwartet. Um das zu erreichen, investiert Helsing nach eigenen Angaben Hunderte Millionen Euro und arbeitet mit weiteren europäischen Partnern zusammen, die noch nicht genannt wurden.
Auch wenn Helsing keine Erfahrung mit der Großserienfertigung fortschrittlicher UCAVs hat, zeigt der Erfolg amerikanischer Start-ups wie Anduril mit ihrer Fury-Drohne, dass junge Unternehmen durchaus eine Rolle bei der Entwicklung autonomer Kampfplattformen spielen können.
Europäischer Kontext und Wettbewerb
Die CA‑1 Europa erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem europäische Luftstreitkräfte massiv in autonome Systeme investieren. Airbus Defence and Space arbeitet mit Kratos an der Stealth-Drohne XQ-58A Valkyrie, die 2029 „europäisiert“ für die deutsche Luftwaffe verfügbar sein soll. Auch das eigene Wingman-Konzept von Airbus, das vor der Einführung des gesamteuropäischen Future Combat Air System (FCAS) mit bemannten Flugzeugen zusammenarbeiten soll, wird in Deutschland aktiv untersucht. Daneben gibt es das amerikanische CCA-Programm, an dem sich die niederländischen Streitkräfte beteiligen.
Helsing kann mit der CA‑1 diesen Plattformen Konkurrenz machen, vor allem bei bezahlbaren, wendigen und autonomen Drohnen, die neben Kampfjets operieren können. Der Aufstieg solcher Drohnen spiegelt einen breiteren Trend wider: Luftstreitkräfte wollen ihre „Kampfmasse“ mit günstigeren, wiederverwendbaren oder entbehrlichen unbemannten Systemen vergrößern, während herkömmliche Kampfjets knapp und teuer bleiben.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Für Deutschland und Europa unterstreicht die CA‑1 Europa den Wunsch, unabhängige, zuverlässige Wingman-Drohnen zu entwickeln, unabhängig von der Zukunft großer Projekte wie FCAS. Die CA‑1 verspricht eine europäische Alternative zu amerikanischen und internationalen Konzepten, mit Autonomie, Zusammenarbeit mit bemannten Flugzeugen und einem erschwinglichen Einstiegspreis als Kernpunkten.






















