Ein Mann steht auf einem kleinen Brett und fliegt zwischen Brückenpfeilern hindurch, das Wasser weit unter seinen Füßen. Der chinesische Maker Ayu, online als 神奇阿宇 bekannt, zeigt ein elektrisches Flugbrett, das ihn tatsächlich in die Luft bringt. Das Auffälligste befindet sich nicht nur unter seinen Schuhen: Laut Begleittext helfen ihm zwei Smartphones und ein KI-Assistent beim Fliegenlernen.
Die Aufnahmen zeigen ein persönliches Flugexperiment mit deutlichem Science-Fiction-Flair. Der Pilot steht aufrecht, beugt die Knie und verlagert sein Gewicht, während sich das Brett durch die Luft bewegt. Für die Verteidigung berührt das eine bekannte Frage: Kann man jemanden mit einem kompakten Fluggerät über ein Hindernis bringen, ohne einen Hubschrauber einzusetzen?
Zehn Motoren unter den Füßen
Der ursprüngliche Videobeitrag von Ayu trägt den Titel „Ich habe ein fliegendes Brett gebaut“. Das Gerät hat mehrere Propeller rund um eine schmale Plattform. Der Aufbau erinnert an einen großen Multikopter, auf dem der Pilot steht. Zu sehen sind unter anderem Flüge über Wasser und zwischen steilen, grünen Ufern.
Laut Begleittext hat die elektrische Ausführung zehn bürstenlose Antriebe mit jeweils mehr als dreißig Kilogramm Schub. Auch ein Spitzenstrom von 2.000 Ampere wird genannt. Es handelt sich um angegebene Werte für diese Vorführung, nicht um veröffentlichte Zertifizierungsdaten. Der Vergleich mit dem Gewicht von vier Menschen sagt zudem etwas über den Gesamtschub aus, nicht über Platz oder Erlaubnis, vier Passagiere mitzunehmen.
Zum Abheben müssen die Motoren schließlich zunächst das Brett selbst, die Akkus und den Piloten tragen. Was danach an Reserve übrig bleibt, wird für Manöver und das Ausgleichen von Störungen gebraucht. Gerade bei einer so kleinen Plattform macht das den Unterschied: Eine beeindruckende Schubzahl sagt noch nicht, wie lange man fliegen oder wie viel Ausrüstung man mitnehmen kann.
Ein Coach im Ohr
Laut Begleittext erfüllen die beiden STEPX-Neo-Telefone unterschiedliche Aufgaben. Ein Gerät im Brett sammelt Daten zur Lage der Plattform. Ein zweites sitzt am Handgelenk des Piloten. Der KI-Assistent Amoo gibt über Ohrhörer Hinweise zur Körperhaltung, etwa wenn sich das Gewicht zu stark zu einer Seite verlagert. Ayu soll damit gut zehn Tage trainiert haben.
Das macht die Anwendung vor allem als persönliche Trainingshilfe interessant. Wer ständig balancieren muss, kann nicht gleichzeitig ausführlich einen Bildschirm ablesen. Gesprochene Hinweise können Messdaten in eine verständliche Korrektur übersetzen. Der Mensch bleibt dabei sichtbar Teil des Fliegens: Haltung und Reaktionen zählen.
Ein solcher KI-Coach ist allerdings von der schnellen Regelung zu unterscheiden, die eine fliegende Plattform stabil hält. Ein gesprochener Hinweis durchläuft andere Schritte als die direkte Anpassung der Motorleistung. Dass ein Assistent Ratschläge gibt, bedeutet also nicht, dass ein Sprachmodell selbstständig alle Flugbewegungen steuert. Die Vorführung macht vor allem neugierig auf das Zusammenspiel von Mensch, Sensoren und Software.
Das Militär hat persönliche Fluggeräte bereits erprobt
Die Idee, eine Person direkt an einen schwer erreichbaren Ort fliegen zu lassen, haben auch Streitkräfte untersucht. Die Royal Navy beschrieb im Mai 2021 Versuche mit dem Jet Suit von Gravity Industries am Patrouillenschiff HMS Tamar. Dabei ging es um mögliche Anwendungen beim Entern von Schiffen.
Ein relevantes Detail: Der Anzug wurde bei diesen Versuchen von Personal von Gravity Industries gesteuert, nicht von den Royal Marines. Die britische Marine kam damals zu dem Schluss, dass die Technik noch nicht reif für eine militärische Einführung war. Dieses Urteil betraf jenes System und jene Versuchsphase; es ist keine Bewertung von Ayus elektrischem Brett.
Die Gemeinsamkeit liegt im Ziel, eine Person schnell über ein Hindernis zu bringen. Die Umsetzung unterscheidet sich stark: Ein tragbarer Strahlanzug ist ein anderes System als eine Plattform mit elektrischen Propellern. Für den praktischen Einsatz zählen zudem Reichweite, Windempfindlichkeit, Lärm, Zuverlässigkeit und die Möglichkeit, Ausrüstung mitzunehmen. Auch sicheres Landen, wenn etwas schiefgeht, ist mindestens so wichtig wie das Abheben.
Ayus Flugbrett zeigt vor allem, wie überraschend die Kombination aus elektrischem Antrieb und digitaler Begleitung ausfallen kann. Eine Vorführung ist noch kein einsatzfähiges militärisches Transportmittel. Doch ein KI-Assistent, der einem Nutzer hilft, sich während einer körperlichen Handlung zu korrigieren, ist eine konkrete Idee, die über diesen spektakulären Flug hinausreicht.
























