Die Türkei hat erneut einen wichtigen Schritt beim Ausbau ihrer maritimen Schlagkraft gemacht. Bilder zeigen, wie ein türkisches U-Boot eine Seezielrakete ATMACA über ein Torpedorohr startet, eine Technik, die vor allem von konventionellen dieselelektrischen U-Booten genutzt wird. Damit zeigt die Türkei, dass ihr selbst entwickelter Marschflugkörper auch von U-Booten aus einsetzbar wird.
Der Test unterstreicht die wachsende Rolle türkischer Rüstungstechnologie und passt zu einer breiteren Strategie, mehr Waffensysteme vollständig national zu entwickeln.
Start aus dem Torpedorohr
Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Rakete zunächst unter Wasser gestartet wird und dann an der Oberfläche durchstartet. Bei dieser Startart wird die Rakete in eine Kapsel gesetzt, die über ein Standard-Torpedorohr aus dem U-Boot geschossen wird.
Sobald die Kapsel die Wasseroberfläche erreicht, öffnet sie sich und der Raketenmotor zündet. Danach fliegt die Rakete weiter zu ihrem Ziel.
Dieses System wird oft als „Submerged Launch“ bezeichnet. Der große Vorteil ist, dass das U-Boot während des Angriffs vollständig getaucht bleiben kann und daher schwerer zu entdecken ist.
Für konventionelle U-Boote ist das eine praktische Lösung, da sie meist keine vertikalen Startsysteme haben.
ATMACA als türkische Alternative zur Harpoon
Die ATMACA-Rakete wurde vom türkischen Unternehmen Roketsan als Ersatz für die amerikanische Harpoon entwickelt, die jahrelang die Standard-Seezielrakete der türkischen Marine war.
Die ATMACA hat eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern und kann mithilfe moderner Navigationssysteme und Datenlinks ihren Kurs im Flug anpassen. Die Rakete fliegt sehr tief über der Wasseroberfläche, um die Radarerfassung zu erschweren.
Neben dem Einsatz von Schiffen aus wird die Rakete auch für Landanlagen und U-Boote tauglich gemacht. So kann ein Raketentyp auf mehreren Plattformen genutzt werden, was Logistik und Wartung vereinfacht.
Kleine U-Boote nutzen Torpedorohre
Der Start von Marschflugkörpern über Torpedorohre ist bei vielen kleineren U-Booten eine bekannte Methode. Vor allem dieselelektrische U-Boote nutzen diese Technik, weil ihr Entwurf meist keinen Platz für große vertikale Startsysteme bietet.
Anders als große nukleare U-Boote verfügen sie in der Regel nur über Torpedorohre im Bug. Indem Raketen in spezielle Kapseln gesetzt werden, können sie dennoch aus denselben Rohren gestartet werden.
Große US-U-Boote wie die Ohio- oder Virginia-Klasse nutzen oft vertikale Startanlagen oben im Rumpf, um Marschflugkörper abzufeuern. Damit können sie viel mehr Raketen mitführen.
Relevanz für künftige niederländische U-Boote
Das Prinzip, das in diesem türkischen Test zu sehen ist, ist auch für andere Marinen relevant. Viele moderne konventionelle U-Boote sind dafür ausgelegt, neben Torpedos auch Marschflugkörper über dieselben Rohre einzusetzen.
Das gilt auch für die künftigen niederländischen U-Boote, die die Walrus-Klasse ersetzen sollen. Auch wenn die genaue Bewaffnung noch nicht vollständig öffentlich ist, ist das Konzept startfähiger Raketen über Torpedorohre bei modernen dieselelektrischen Booten eine bekannte Option.
Damit können U-Boote nicht nur Schiffe angreifen, sondern mit Marschflugkörpern auch Ziele an Land treffen.
Unterwasserangriff bleibt schwer zu entdecken
Der wichtigste Vorteil dieser Startmethode ist die Tarnung. Da das U-Boot während des Angriffs getaucht bleibt, ist es für Gegner schwierig, den Ursprung des Raketenstarts zu orten.
Die Rakete erscheint erst an der Oberfläche, wenn sie bereits auf dem Weg zu ihrem Ziel ist. Das verkürzt die Reaktionszeit einer feindlichen Flotte erheblich.
Gerade diese Kombination aus verborgener Plattform und Langstreckenrakete macht U-Boote zu einem der gefährlichsten Waffensysteme auf See.
Wachstum der türkischen Rüstungsindustrie
Die erfolgreiche Integration der ATMACA auf verschiedenen Plattformen passt zum breiteren Ziel der Türkei, weniger abhängig von ausländischen Waffensystemen zu werden.
In den vergangenen Jahren hat das Land stark in eigene Raketen, Drohnen, Radarsysteme und Marineschiffe investiert. Die Entwicklung einer U-Boot-gestützten Variante der ATMACA zeigt, dass die Türkei auch bei maritimer Raketentechnik immer eigenständiger wird.
Für moderne Marinen ist das eine wichtige Entwicklung. U-Boote, die aus getarnter Position Seezielraketen starten können, sind eine ernsthafte Bedrohung für feindliche Flottenverbände, vor allem in belebten Seegebieten, in denen die Ortung schwierig ist.
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