In den frühen Morgenstunden ist über dem Nordirak eine iranische Angriffsdrohne von einem amerikanischen C-RAM-System abgeschossen worden. Bilder, die online kursieren, zeigen, wie im Dunkeln ein greller Lichtstrahl nach oben zieht, gefolgt von einem kurzen Blitz am Himmel. Kurz danach erlischt das Ziel.
Der Vorfall ereignete sich in der Nähe eines US-Militärstandorts in der kurdischen Region. Lokalen Quellen zufolge war zunächst das charakteristische Summen einer anfliegenden Drohne zu hören, einige Sekunden später eröffnete das Abwehrsystem das Feuer.
Was ist C-RAM?
C-RAM steht für Counter Rocket, Artillery and Mortar. Das System wurde entwickelt, um anfliegende Raketen, Artilleriegranaten, Mörser und Drohnen auf kurze Distanz abzufangen.
Kern ist eine 20-mm-Schnellfeuerkanone, abgeleitet von der Schiffsverteidigung Phalanx. Die Waffe kann bis zu 4.500 Schuss pro Minute abfeuern. Das Radar erfasst das Ziel, berechnet in Sekundenbruchteilen die Flugbahn und eröffnet automatisch das Feuer, sobald das Objekt in Reichweite ist. Diese liegt bei etwa 1 bis 2 Kilometern.
Auf den Bildern ist zu sehen, wie das System eine Spur leuchtender Munition abfeuert. Diese Munition enthält selbstzerstörende Geschosse, sodass Kugeln, die ihr Ziel verfehlen, nach einigen Sekunden zerfallen und keine Gefahr für die Umgebung darstellen.
Wachsende Drohnenbedrohung im Irak
Die amerikanische Präsenz im Irak wird in den vergangenen Jahren regelmäßig mit Drohnenangriffen von Milizen mit Verbindungen zu Iran konfrontiert. Oft handelt es sich um relativ einfache Fluggeräte, die jedoch mit Sprengladungen ausgestattet sind, die erheblichen Schaden anrichten können.
Die eingesetzten Drohnen sind meist Einweg-Angriffsdrohnen, auch Loitering Munitions genannt. Sie werden von improvisierten Plattformen gestartet und fliegen tief, um die Radarerfassung zu erschweren. Ihre Geschwindigkeit liegt meist zwischen 150 und 250 Kilometern pro Stunde.
Für ein System wie C-RAM ist das ein geeignetes Ziel. Es ist gerade für kurze Reaktionszeiten gegen schnell anfliegende, tief kommende Objekte ausgelegt. Unten noch ein Testvideo des C-RAM
Von Raketen zu Drohnen
Ursprünglich wurde C-RAM im Irak und in Afghanistan gegen Mörser- und Raketenangriffe auf Stützpunkte eingesetzt. Diese Bedrohung ist nicht verschwunden, wurde aber um Drohnen ergänzt, die genauer gesteuert werden und gezielt Ziele auswählen können.
Während eine Mörsergranate einer ballistischen Bahn folgt, kann eine Drohne manövrieren. Das erfordert eine ständige Verfolgung bis zum Einschlag. Moderne C-RAM-Varianten kombinieren Radar mit elektrooptischen Sensoren, um kleine Ziele besser zu verfolgen.
Das System wird meist auf festen Anlagen rund um Stützpunkte aufgestellt, kann aber auch mobil auf einem Anhänger oder Lkw eingesetzt werden.
Reaktionszeit von Sekunden
Beim abgefangenen Vorfall über dem Nordirak scheint das System nahezu sofort reagiert zu haben. Zwischen Erfassung und Abfangung liegen oft weniger als zehn Sekunden, je nach Entfernung und Geschwindigkeit des Ziels.
Das Video zeigt keine Sekundärexplosion am Boden, was darauf hindeutet, dass die Drohne in der Luft zerstört wurde. Das ist bei Angriffsdrohnen entscheidend, weil eine Sprengladung, die den Stützpunkt erreicht, selbst in begrenztem Umfang erheblichen Schaden an Personal oder Infrastruktur anrichten kann.
Begrenzter Spielraum
Auch wenn C-RAM gegen einzelne Ziele wirksam ist, hat das System Grenzen. Es schützt ein relativ kleines Gebiet. Bei mehreren gleichzeitigen Zielen kann der Munitionsvorrat schnell schrumpfen. Ein Standardmagazin enthält einige tausend Patronen, genug für kurze Feuerstöße, aber keine lang anhaltende Abwehr gegen Schwärme.
Dennoch bleibt es eines der wenigen Systeme, die direkt und autonom reagieren können, ohne dass ein Bediener erst eine Rakete starten muss. In Situationen, in denen Sekunden zählen, macht das den Unterschied.
Die Abfangung über dem Nordirak passt zu einem Muster anhaltender Spannungen in der Region. Die Kombination aus billigen Angriffsdrohnen und festen Militäranlagen sorgt für einen ständigen Kreislauf aus Angriff und Abwehr.























