Die vier neuen niederländischen U-Boote der Orka-Klasse erhalten von Anfang an eine andere Hauptwaffe als ursprünglich geplant. Das Verteidigungsministerium will den modernen französischen F21-MK2-Torpedo bereits während des Baus der Boote integrieren. Damit entfällt der frühere Plan, die Schiffe zunächst mit den amerikanischen MK48-Torpedos auszurüsten, die derzeit auch auf der Walrus-Klasse verwendet werden.
Die Änderung ergibt sich daraus, dass sich der Ersatz des bestehenden MK48-Bestands schneller umsetzen lässt als gedacht. Wird der neue Torpedo direkt in der Produktionsphase integriert, müssen die Boote später nicht erneut angepasst werden. Das spart Zeit, Geld und technische Änderungen am Waffensystem.
Eine neue Waffe für eine neue U-Boot-Generation
Die Orka-Klasse ist die Nachfolgerin der Walrus-Klasse, die seit Anfang der 1990er-Jahre bei der Koninklijke Marine im Dienst steht. Die neuen Boote werden von der französischen Naval Group gebaut und sollen ab den 2030er-Jahren einsatzbereit sein.
U-Boote bleiben eines der wichtigsten Mittel maritimer Abschreckung. Sie operieren lange unter Wasser, sammeln Aufklärungsdaten, verfolgen feindliche Schiffe und können Angriffe ausführen, ohne selbst sichtbar zu werden.
Bei solchen Operationen spielt der Torpedo nach wie vor die Hauptrolle. Während Marineschiffe gegen weit entfernte Ziele oft Flugkörper einsetzen, ist der Torpedo die primäre Waffe für Unterwassergefechte und Angriffe auf Überwasserschiffe.
Mit der Wahl des F21 MK2 schließen sich die Niederlande direkt dem Waffensystem an, das Naval Group standardmäßig mit seinen neuesten U-Booten liefert.
Was ist der F21-MK2-Torpedo?
Der F21 ist ein schwerer Torpedo von etwa sechs Metern Länge und mit einem Gewicht von über 1,5 Tonnen. Er wird aus einem Standard-Torpedorohr mit 533 Millimetern Durchmesser gestartet.
Die Waffe wurde vom französischen Rüstungsunternehmen Naval Group als Nachfolger älterer Torpedotypen wie des F17 entwickelt.
Der Torpedo nutzt einen elektrischen Antrieb mit Lithium-Ionen-Batterien. Dadurch erzeugt er weniger Lärm als ältere Torpedos mit Verbrennungsmotor. Für ein U-Boot ist das wichtig: Je leiser die Waffe, desto geringer die Chance, dass ein Gegner den Angriff früh erkennt.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 50 Knoten, etwa 90 Kilometer pro Stunde unter Wasser. Die effektive Reichweite beträgt je nach gewähltem Geschwindigkeitsprofil mehrere Dutzend Kilometer.
Zur Lenkung nutzt der Torpedo zwei Systeme.
Zunächst besteht eine Drahtverbindung mit dem U-Boot. Über dieses dünne Glasfaserkabel kann die Besatzung während des Laufs Kurskorrekturen übermitteln.
In der Endphase übernimmt der Torpedo selbst mit einem aktiven und passiven Sonarsuchkopf und kann das Ziel eigenständig verfolgen.
Vom MK48 zum F21
Der amerikanische MK48-Torpedo ist seit Jahrzehnten eine Standardwaffe der NATO-Marinen. Auch die Niederlande nutzen diesen Typ auf der Walrus-Klasse.
Der MK48 wurde ursprünglich in den 1960er-Jahren entwickelt und seither mehrfach modernisiert. Die neuesten Varianten sind weiterhin sehr leistungsfähig, aber für amerikanische Plattformen und Logistik ausgelegt.
Für die Orka-Klasse ergibt sich daraus eine praktische Abwägung.
Da Naval Group die U-Boote baut, liegt die Integration französischer Torpedos technisch nahe. Startsysteme, Software und Testverfahren passen dann besser zusammen.
Würde zunächst der MK48 integriert und später doch durch den F21 ersetzt, wären erneut Anpassungen am Waffensystem und an der Software des U-Boots nötig.
Mit der direkten Entscheidung für den F21 MK2 wird dieser Schritt übersprungen.

Integration während des Baus
Der wichtigste Vorteil dieser Entscheidung liegt im Zeitpunkt.
Bei modernen U-Booten ist das Waffensystem eng mit den Sensoren, der Gefechtssoftware und den Torpedorohren verflochten. Torpedos sind keine einfache Munition, die man nachträglich austauscht.
Die Integration beginnt bereits in der Entwurfsphase des Boots.
Das Sonar bestimmt etwa, wie ein Ziel erkannt und verfolgt wird. Die Feuerleitsoftware berechnet anschließend Schusszeitpunkt und Kurs des Torpedos. Danach wird der Torpedo per Datenlink oder Drahtverbindung zum Ziel geführt.
Wird ein anderer Torpedotyp verwendet, müssen diese Systeme neu abgestimmt werden.
Durch die Integration des F21 bereits in der Produktionsphase kann Naval Group das gesamte Waffensystem um diesen Torpedo herum bauen.
Ein europäischer Standard im Kommen
Der F21 wird inzwischen von mehreren europäischen Marinen genutzt.
Frankreich hat den Torpedo auf seinen nuklearen Jagd-U-Booten der Barracuda-Klasse sowie auf verschiedenen Fregatten und Seefernaufklärern eingeführt.
Auch Brasilien und andere Länder, die mit Naval Group zusammenarbeiten, zeigen Interesse an dem System.
Für die Niederlande bedeutet das, dass Logistik, Instandhaltung und Munitionsversorgung in Europa organisiert werden können. Das kann in einem Konflikt oder einer Krise ein Vorteil sein, wenn amerikanische Waffensysteme knapp werden oder vorrangig an andere NATO-Länder gehen.
U-Boot-Waffen verändern sich rasant
Obwohl es Torpedos seit über einem Jahrhundert gibt, hat sich die Technik in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.
Neue Sensoren ermöglichen es, Unterwasserziele auf größere Entfernung zu erkennen. Gleichzeitig werden die Torpedos selbst intelligenter.
Moderne Torpedos können etwa mehrere Suchmuster abfahren, wenn ein Ziel aus der Erfassung verschwindet. Außerdem können sie echte Ziele von Gegenmaßnahmen wie Täuschkörpern unterscheiden.
Zudem wächst die Rolle vernetzter Operationen. U-Boote erhalten Informationen von anderen Plattformen wie Seefernaufklärern oder Drohnen und können auf dieser Grundlage einen Torpedo starten.
Orka-Klasse als Kern des niederländischen U-Boot-Dienstes
Die vier Boote der Orka-Klasse bilden künftig das Herzstück des niederländischen U-Boot-Dienstes.
Die Schiffe werden größer als die heutige Walrus-Klasse und erhalten eine größere Reichweite, modernere Sensoren und ein neues Gefechtssystem.
Die Kombination aus fortschrittlichem Sonar, langen Patrouillen und schweren Torpedos macht diese Boote geeignet für Einsätze im Nordatlantik, im Mittelmeer und in anderen strategischen Gebieten.
Mit der frühen Integration des F21 MK2 erhält die Orka-Klasse vom ersten Tag an ein Torpedosystem, das vollständig auf die Konstruktion des Boots abgestimmt ist. Das vermeidet eine Übergangsphase mit älterer Munition und vereinfacht die Einführung, sobald das erste U-Boot in Dienst gestellt wird.
























