Die US-Marine hat kürzlich einen Vertrag über die Lieferung der XQ-58A Valkyrie unterzeichnet, einer unbemannten Kampfdrohne, die die Arbeitsweise von Luftstreitkräften grundlegend verändern könnte. Was einst als experimentelles Projekt begann, scheint nun ein fester Bestandteil künftiger Kampfstrategien zu werden. Die Valkyrie ist darauf ausgelegt, zusammen mit bemannten Flugzeugen zu operieren, aber auch selbstständig Einsätze in risikoreichen Umgebungen durchzuführen. Das passt zu einem breiteren Trend, bei dem Streitkräfte weltweit in Collaborative Combat Aircraft investieren, unbemannte Systeme, die im Zusammenspiel mit herkömmlichen Flugzeugen funktionieren. Im folgenden Video wird die Drohne gestartet und fliegt zusammen mit F-15– und F-16-Flugzeugen
Die Valkyrie zeichnet sich vor allem durch ihre geringe Entdeckbarkeit aus, in der Militärwelt „low observable“ genannt. Das Design erschwert es feindlichen Radaren, diese Drohne aufzuspüren, was sie für Einsätze in Gebieten mit feindlicher Luftverteidigung geeignet macht. Die Drohne wird von einem Schienensystem gestartet und hat ein maximales Startgewicht von etwa drei Tonnen. In der Praxis bedeutet das, dass sie zum Start eine relativ kompakte Infrastruktur benötigt, was den Einsatz von verschiedenen Standorten aus ermöglicht. Mit einer Dienstgipfelhöhe von rund 45.000 Fuß und einem Einsatzradius von gut 4.800 Kilometern kann die Valkyrie Langstreckeneinsätze ohne direkte Unterstützung von Land- oder Seebasen durchführen.
Neben ihrer Reichweite und Tarnkappenfähigkeit ist die Valkyrie auch in ihrer Rolle vielseitig. Sie kann sowohl kinetische Waffen als auch Systeme für die elektronische Kampfführung mitführen. Das macht sie in einer breiten Palette von Szenarien nutzbar, von Aufklärung und Zielidentifizierung bis zum tatsächlichen Waffeneinsatz. Die Entwicklung begann vor Jahren mit Testflügen, der erste davon fand 2019 statt. Seitdem wird die Drohne kontinuierlich von der US-Luftwaffe und -Marine getestet. Bei jüngsten Übungen wurden wichtige Schritte in der Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen gemacht. Piloten von F-16 Fighting Falcons und F-15E Strike Eagles führten Trainingseinsätze durch, bei denen jeder von ihnen zwei Valkyries steuerte. Solche Szenarien sollen die Echtzeitintegration zwischen Pilot und autonomen Systemen erproben, die für künftige Luftkämpfe als entscheidend gilt.
Nicht nur die Vereinigten Staaten zeigen Interesse an dieser Art von Technologie. China investiert massiv in ähnliche unbemannte Systeme, die im modernen Luftkampf eine Rolle spielen sollen. Obwohl Details zu diesen Programmen oft spärlich sind, ist klar, dass Pekings Rüstungsindustrie große Fortschritte bei der Entwicklung von Tarnkappen-Drohnenplattformen und autonomen Kampfsystemen macht. Das geschieht vor dem Hintergrund wachsender Spannungen um technologische Vorherrschaft und militärische Einsatzbereitschaft, was andere Länder dazu veranlasst, ihre eigenen Fähigkeiten auszubauen.
Auch in Europa sind Bewegungen sichtbar. Airbus ist kürzlich eine Zusammenarbeit mit Kratos, dem amerikanischen Hersteller der Valkyrie, eingegangen, um die Drohne mit Systemen auszustatten, die sie für den Einsatz durch die deutsche Luftwaffe geeignet machen. Dieses plattformunabhängige Missionssystem wurde entwickelt, um sich sowohl in bestehende als auch künftige bemannte und unbemannte Flugzeuge zu integrieren. Durch diese Entwicklung dürfte Deutschland ab 2029 als einer der ersten europäischen Nutzer in der Lage sein, die Valkyrie in kombinierten Luftoperationen einzusetzen. Diese Partnerschaft zeigt, dass europäische Rüstungsunternehmen und Luftstreitkräfte die Möglichkeiten autonomer kollaborativer Systeme ernsthaft prüfen, und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der Interoperabilität zwischen verschiedenen militärischen Technologien.
Auch die Niederlande spielen in dieser globalen Landschaft eine Rolle. Obwohl kein direkter Kauf von Valkyrie-Drohnen angekündigt wurde, nehmen die Niederlande am Collaborative-Combat-Aircraft-Programm der US-Luftwaffe teil. In dieses Programm wurden zwei Drohnen aufgenommen: die YFQ-42A von General Atomics und die YFQ-44A von Anduril Industries. Damit positioniert sich das Land in einem Netzwerk von Partnerländern und Industrien, die gemeinsam die nächste Generation der Luftstreitkräfte gestalten. Für niederländische Verteidigungsanalysten und technisches Personal bietet diese Zusammenarbeit die Chance, Wissen und Erfahrung mit fortschrittlichen autonomen Systemen zu sammeln und zur Entwicklung von Standards und Taktiken beizutragen, die künftig von großer Bedeutung sein können.

Bild: Kratos, die XQ-58 Valkyrie startet bei Tests eine Altius-600-Drohne.
Der Aufstieg von Systemen wie der Valkyrie markiert einen Wandel im Denken über den Luftkrieg. Traditionell waren bemannte Kampfflugzeuge der Kern der Luftmacht. Mit der Einführung erschwinglicher, halbautonomer Plattformen nimmt diese Rolle eine neue Form an. Drohnen wie die Valkyrie können Risiken mit Piloten teilen, Informationen sammeln und verbreiten und sogar Ziele ausschalten, ohne dass Menschen direkt in Gefahr gebracht werden. Das ist besonders relevant in „contested environments“, Gebieten, in denen Gegner über fortschrittliche Luftverteidigung und elektronische Störmittel verfügen.
Die jüngsten Trainingseinsätze auf der Eglin Air Force Base zeigten, wie weit dieses Konzept inzwischen fortgeschritten ist. In simulierten Luftkampfszenarien konnten Piloten und Valkyries effektiv zusammenarbeiten, wobei der Datenaustausch in Echtzeit eine entscheidende Rolle spielte. Die US-Luftwaffe bezeichnete dies als bedeutenden Sprung in der Mensch-Maschine-Zusammenarbeit und betonte, dass autonome kollaborative Plattformen erschwingliche und flexible Fähigkeiten bieten, die in risikoreichen Gebieten halbautonom operieren können.
Dennoch gibt es auch Fragen und Herausforderungen. Die Integration autonomer Systeme in bestehende militärische Strukturen wirft komplexe technische, ethische und rechtliche Fragen auf. Wie treffen diese Systeme Entscheidungen in Situationen, in denen schnelles Handeln gefordert ist? Wie stellt man sicher, dass sie im Lichte internationaler Gesetze und Regeln die richtige Wahl treffen? Diese Themen werden neben der technischen Einsatzfähigkeit und Wirksamkeit der Systeme selbst zweifellos Gegenstand der Debatte bleiben.























