Israel verfügt seit Jahren über eine der fortschrittlichsten Streitkräfte der Welt. Das ist kein Luxus, sondern reine Notwendigkeit. Das Land lebt permanent unter der Bedrohung verschiedener Feinde an mehreren Grenzen gleichzeitig. Dennoch gab es in diesem modernen Militärarsenal eine auffällige Ausnahme: die Artillerie. Bis vor Kurzem nutzte die israelische Armee noch die amerikanische M109, ein System, dessen Ursprung im Kalten Krieg liegt.
Das ändert sich nun endgültig. Die ersten neuen SIGMA-155-Haubitzen treffen bei den israelischen Streitkräften ein, und damit schlägt die Armee ein neues Kapitel auf. Diese Systeme sind nicht nur moderner, sondern verändern auch grundlegend die Art, wie Israel Artillerie einsetzt.
Von Ketten zu Geschwindigkeit auf Rädern
Die alte M109 war ein Kettenfahrzeug, schwer und robust, aber auch langsam beim Aufbau und Verlegen. Für ihre Bedienung waren sieben Soldaten nötig, und das System brauchte nach Ankunft in einer Feuerstellung Zeit, um einsatzbereit zu werden. In einem modernen Krieg, in dem Geschwindigkeit und Präzision immer wichtiger werden, wurde das zu einem zunehmenden Nachteil.
Die SIGMA 155 geht das völlig anders an. Das System steht auf Rädern, wodurch es sich viel schneller über große Entfernungen bewegen kann. Das ist für Israel entscheidend, wo sich Bedrohungen rasend schnell vom Norden in den Süden oder von einer Grenze zur anderen verlagern können. Was früher Stunden dauerte, geht nun in kurzer Zeit.
Vollautomatisch und von drei Mann bedient
Der vielleicht größte Fortschritt liegt in der Automatisierung. Während die M109 eine große Besatzung erforderte, wird die SIGMA 155 von nur drei Soldaten bedient. Laden, Richten und Feuern erfolgen weitgehend automatisch. Die Besatzung muss keine Granaten mehr von Hand heben oder Einstellungen mechanisch anpassen. Das sieht man bei moderner Artillerie, zum Beispiel bei der deutschen RCH 155.
Das hat mehrere Vorteile. Weniger Personal bedeutet weniger logistische Belastung, weniger Risiko für das Personal und eine höhere Effizienz. Gleichzeitig kann die Haubitze schneller feuern und schneller wieder abziehen, was die Überlebenschance auf dem Schlachtfeld erheblich erhöht.

Bild: Elbit-Industrie
Große Reichweite, hohe Präzision
Die SIGMA 155 hat je nach verwendetem Munitionstyp eine Reichweite von bis zu etwa 40 Kilometern. Das bedeutet, dass Ziele tief hinter feindlichen Linien getroffen werden können, ohne dass die Haubitze nahe an die Frontlinie heranmuss.
In Kombination mit modernen Feuerleitsystemen und digitalen Verbindungen zu Drohnen und Sensoren kann die SIGMA 155 schnell Ziele empfangen, berechnen und bekämpfen. Artillerie ist damit keine träge Unterstützungswaffe mehr, sondern ein schnell reagierendes Präzisionsinstrument.
Angepasst an die israelische Realität
Was die Einführung der SIGMA 155 besonders interessant macht, ist, dass das System vollständig auf die israelische Art der Kriegsführung abgestimmt ist. Israel muss gleichzeitig mit Bedrohungen aus Gaza, dem Libanon, Syrien und darüber hinaus rechnen. Das erfordert eine Artillerie, die flexibel ist, schnell verlegt werden kann und sofort einsatzbereit ist.
Die neuen Haubitzen passen perfekt in dieses Bild. Sie sind für schnellen Einsatz, kurze Feuersequenzen und sofortiges Verlegen danach konstruiert. Das klassische Bild einer Artillerie, die lange in einer Stellung steht, verschwindet damit endgültig. Wie bei jedem israelischen Fahrzeug ist alles auf die Lage zugeschnitten, in der sich Israel befindet. Das sieht man zum Beispiel beim Merkava-Panzer und der Rampage-Rakete, die ebenfalls für bestimmte Ziele entworfen wurden.
Eine stille, aber tiefgreifende Modernisierung
Die Ankunft der SIGMA 155 erhält vielleicht weniger Aufmerksamkeit als Kampfflugzeuge oder Raketenabwehrsysteme, doch ihre Wirkung ist groß. Artillerie bildet nach wie vor das Rückgrat von Bodenoperationen. Durch die Modernisierung dieses Rückgrats erhöht Israel seine Schlagkraft auf sichtbare wie unsichtbare Weise.
Mit der Ausmusterung der alten M109 und der Einführung dieser neuen Haubitzengeneration zeigt Israel, dass auch scheinbar traditionelle Waffensysteme mit der Zeit gehen. Schneller, klüger und mit weniger Personal. Genau so, wie es moderne Kriegsführung verlangt.























