Der rasante Aufstieg kleiner Drohnen zwingt Streitkräfte weltweit, ihre Luftverteidigung neu zu überdenken. Während klassische Flugabwehrsysteme vor allem für Flugzeuge, Hubschrauber und größere UAVs ausgelegt waren, liegt der Schwerpunkt nun immer öfter auf dem Ausschalten kleiner, billiger Drohnen. Das türkische Rüstungsunternehmen ASELSAN reagiert darauf mit SHARK, einem kompakten System, das speziell für den Nahbereichsschutz gegen Mini- und Mikro-UAVs entwickelt wurde.
Auf aktuellen Bildern ist ein Prototyp oder Testaufbau des Systems in einer geschützten Testumgebung zu sehen. Die Anlage besteht aus einem stabilisierten Waffenturm mit Sensoren und einem automatischen Kanonensystem, das kleine Luftziele schnell erkennen und ausschalten soll.
Entwickelt für die Bedrohung durch kleine Drohnen
SHARK ist Teil eines breiteren Trends in der Luftverteidigung: Systeme, die gezielt auf die sogenannte C-UAS-Abwehr (Counter Unmanned Aerial Systems) ausgerichtet sind. Kleine Drohnen sind nämlich ein ganz anderer Zieltyp als herkömmliche Luftfahrtplattformen.
Sie sind klein, billig, oft schwer zu entdecken und können in großer Zahl eingesetzt werden. Zudem fliegen sie meist tief und relativ langsam, sodass klassische Flugabwehrraketen gegen solche Ziele oft zu teuer oder schlicht ineffizient sind.
Deshalb setzen viele Länder immer häufiger auf Kanonensysteme mit programmierbarer Munition. Auch bei SHARK spielt das eine zentrale Rolle.
ATOM-Munition mit „Partikeleffekt“
Laut ASELSAN nutzt das System ATOM-Munition. Das ist programmierbare Flugabwehrmunition, die kurz vor dem Ziel explodiert und eine Wolke aus Metallsplittern verteilt.
Dieses Prinzip wird oft als „Partikeleffekt“ beschrieben. Statt eines einzigen Direkttreffers erzeugt die Granate eine dichte Splitterwolke an der Stelle, an der sich die Drohne befindet. Kleine Drohnen haben wenig strukturellen Schutz, sodass schon kleine Splitter ausreichen können, um Sensoren, Propeller oder Elektronik zu beschädigen.
Der Vorteil dieses Konzepts ist, dass es die Trefferwahrscheinlichkeit deutlich erhöht. Gerade gegen kleine, wendige UAVs kann das den Unterschied zwischen einem Fehlschuss und einer erfolgreichen Abfangung ausmachen.
Kompaktes System für kritische Infrastruktur
Systeme wie SHARK sind nicht nur für das Schlachtfeld gedacht. Ein wichtiges Ziel ist auch der Schutz sensibler Standorte.
Man denke an Militärbasen, Munitionsdepots, Radaranlagen, Flugplätze, Kraftwerke oder Kommandozentralen. Solche Orte sind immer häufiger Ziel kleiner Drohnen, weil diese relativ billig und einfach einzusetzen sind.
Indem man ein kompaktes Nahbereichs-Flugabwehrsystem rund um solche Anlagen aufstellt, entsteht eine letzte Verteidigungslinie. Das System kann Bedrohungen autonom oder halbautonom erkennen und innerhalb von Sekunden reagieren.
Gerade diese kurze Reaktionszeit ist bei Drohnenangriffen entscheidend, weil zwischen Entdeckung und Einschlag oft nur einige Dutzend Sekunden liegen.
Lehren aus Konflikten wie in der Ukraine und Israel
Die wachsende Aufmerksamkeit für solche Systeme ist kein Zufall. Jüngste Konflikte zeigen deutlich, wie schnell sich die Bedrohungslage verändert.
Im Krieg in der Ukraine werden täglich große Mengen Drohnen zur Aufklärung, Artilleriekorrektur und für direkte Angriffe eingesetzt. Neben größeren Systemen spielen auch kleine kommerzielle Quadrocopter eine große Rolle auf dem Schlachtfeld.
Auch Israel ist regelmäßig mit Drohnen verschiedener Typen konfrontiert, von einfachen Systemen bis zu fortschrittlicheren UAVs.
Diese Entwicklungen haben eine wichtige Lehre offengelegt: Schon eine relativ billige Drohne kann großen Schaden anrichten, wenn kritische Infrastruktur unzureichend geschützt ist.
Das hat weltweit zu einer Welle neuer C-UAS-Systeme geführt, von elektronischer Störung und Lasern bis zu automatischen Kanonensystemen wie SHARK.
Günstiger als Raketensysteme
Ein wichtiger Grund für die Beliebtheit solcher Lösungen ist ihre Kosteneffizienz.
Flugabwehrraketen sind sehr wirksam, aber oft extrem teuer. Eine Rakete für Hunderttausende Euro gegen eine Drohne für einige tausend Euro abzufeuern, ist wirtschaftlich kaum durchzuhalten, wenn Angriffe massenhaft erfolgen.
Kanonensysteme mit programmierbarer Munition bieten daher eine attraktive Alternative. Die Kosten pro Abfangung liegen deutlich niedriger, während das System schnell mehrere Ziele bekämpfen kann.
Zudem lassen sich solche Systeme oft in bestehende Luftverteidigungsnetze integrieren, in denen Radar, elektrooptische Sensoren und Führungssysteme zusammenarbeiten.
Wachsende Rolle der Kurzstrecken-Luftverteidigung
Während die Kurzstrecken-Luftverteidigung vor einigen Jahren noch ein relatives Nischengebiet war, entwickelt sie sich nun zu einem der wichtigsten Bestandteile moderner Verteidigung.
Die Kombination aus billigen Drohnen, Schwarmtaktiken und asymmetrischer Kriegsführung führt dazu, dass praktisch jede Militärbasis oder kritische Infrastruktur verwundbar sein kann.
Systeme wie ASELSAN SHARK zeigen, wie die Industrie auf diese neue Realität zu reagieren versucht: kompakte, relativ bezahlbare und schnell reagierende Abwehr gegen kleine Luftbedrohungen.
Es wird daher erwartet, dass sich die Entwicklung solcher Systeme in den kommenden Jahren nur noch beschleunigt. Länder investieren massiv in neue Technologien, um der immer größer werdenden Drohnenwelle zu begegnen. SHARK ist dafür ein klares Beispiel.
























