In einem kürzlich veröffentlichten Video von Thales Nederland ist zu sehen, wie das niederländische Heer eine wichtige neue militärische Fähigkeit testet. Bei einer Übung feuert ein PULS-Raketenartilleriesystem eine Rakete ab, während ein mobiles Bodenradar das Geschoss im Flug verfolgt. Ziel dieses Tests ist nicht operativ, sondern analytisch: zu untersuchen, wie schnell und genau ein Radar einen Raketenstart erkennen und auf die Abschussposition zurückführen kann.
Es handelt sich ausdrücklich um eine Test- und Übungssituation. Systeme, Verfahren und Zusammenarbeit werden noch erprobt. Dennoch zeigt die Demonstration deutlich, in welche Richtung das Heer bei der Entwicklung moderner Sensor- und Feuerunterstützungsketten geht.
Die Position des Feindes bestimmen.
Sobald die Rakete abgefeuert wird, erfasst das Radar das Objekt nahezu sofort. Indem es die Flugbahn der Rakete verfolgt, kann das System zurückrechnen, wo der Start stattgefunden hat. Diese Methode ist als Weapon Locating bekannt und bildet die Grundlage sogenannter Konterbatterie-Operationen.
In einer echten Gefechtssituation würden diese Informationen genutzt, um feindliche Artillerie- oder Raketensysteme schnell zu lokalisieren und anschließend auszuschalten. Moderne Konflikte zeigen, dass Artillerieeinheiten nur kurz sichtbar sein dürfen: Wer zu lange am selben Ort bleibt, riskiert, binnen Minuten von Gegenfeuer oder Präzisionswaffen getroffen zu werden.
Dass das niederländische Heer diese Fähigkeit nun aktiv mit eigenen Systemen testet, unterstreicht, wie wichtig Geschwindigkeit und Information auf dem heutigen Schlachtfeld geworden sind.
Das Radar: GM200 MM/C
In den Niederlanden gibt es inzwischen mehrere Unternehmen, die Radare liefern können. Robin Radar liefert Systeme für die kurze Distanz. Und Thales für große bis sehr große Distanzen.
Das im Video verwendete Radar ist das GM200 MM/C (Multi Mission / Compact) von Thales. Es ist ein modernes, mobiles 4D-AESA-Radar, das speziell für den taktischen Einsatz durch Landstreitkräfte entwickelt wurde. Das System kann gleichzeitig verschiedene Arten von Bedrohungen erkennen und verfolgen, darunter Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen, aber auch Raketen, Artilleriegranaten und Mörser.
Für die Koninklijke Landmacht ist das GM200 MM/C als vielseitiger Sensor gedacht, der sowohl die Luftverteidigung als auch Artillerie und Feuerunterstützung unterstützt. Das Radar ist auf einem Lkw montiert, schnell einsatzbereit und so konstruiert, dass es in Umgebungen funktioniert, in denen elektronische Kampfführung und GPS-Störungen eine Rolle spielen.
Die Niederlande haben insgesamt 26 GM200-MM/C-Radare bestellt. Diese werden schrittweise eingeführt und ersetzen ältere Systeme, während sie zugleich neue Fähigkeiten hinzufügen. Die Radare können Informationen in nationalen Führungsnetzen und mit NATO-Partnern teilen, wodurch sie ein wichtiger Teil der breiteren Verteidigungsinfrastruktur sind.
Was kann das GM200 MM/C?
Die Stärke des GM200 MM/C liegt in seiner Vielseitigkeit. Das Radar bietet Luftraumüberwachung auf kurze bis mittlere Distanz, erkennt kleine und schnelle Ziele wie Drohnen und kann auch ballistische Objekte im Flug verfolgen. Damit ist es sowohl für die Luftverteidigung (V/SHORAD und MRAD) als auch für Weapon-Locating-Aufgaben zur Unterstützung von Artillerie und Raketenartillerie einsetzbar.

Bild: Niederländisches Verteidigungsministerium
Das PULS-Raketenartilleriesystem
Das PULS-System (Precise & Universal Launching System) ist das neue Raketenartilleriesystem des niederländischen Heeres. Es ist ein modulares und mobiles Startsystem, das entwickelt wurde, um verschiedene Raketentypen mit unterschiedlichen Reichweiten und Präzisionsstufen abzufeuern. Damit erhalten die Niederlande nach Jahren wieder eine eigene Raketenartilleriefähigkeit.
Die Niederlande haben 20 PULS-Startsysteme bestellt. Diese werden auf Einsatzeinheiten und Ausbildungskapazität verteilt und in den kommenden Jahren vollständig eingeführt. Das System ist für schnellen Einsatz konzipiert: Nach dem Abfeuern kann sich eine PULS-Einheit schnell verlegen, was in einer Umgebung, in der Gegner über fortschrittliche Sensoren verfügen, unverzichtbar ist.
Für PULS haben die Niederlande verschiedene Raketentypen bestellt oder vorgesehen, darunter:
- Accular 122 mm-Raketen für Präzisionsfeuer auf kurze bis mittlere Distanz
- Accular 160 mm-Raketen mit größerer Reichweite und hoher Genauigkeit
- EXTRA 306 mm-Raketen mit einer Reichweite bis etwa 150 Kilometer, gedacht für Präzisionsangriffe auf größere Entfernung
Das System ist zudem technisch für noch schwerere Raketen geeignet, etwa die Predator Hawk mit einer Reichweite von rund 300 Kilometern; die Niederlande haben davon einige für Ausbildungszwecke bestellt. Der modulare Aufbau macht PULS flexibel und zukunftssicher.
Bei der Übung mit dem GM200 MM/C dient das PULS-System vor allem als Referenzpunkt für die Sensoranalyse. Nicht, um zu zeigen, was es zerstören kann, sondern um zu verstehen, wie sichtbar ein Raketenstart für moderne Radare ist.
Transparentes Schlachtfeld
Die Übung unterstreicht eine wichtige Realität heutiger Kriegsführung: Das Schlachtfeld wird immer transparenter. Jeder Raketenstart hinterlässt eine deutliche Spur, und Sensoren wie das GM200 MM/C verkürzen die Zeit zwischen Abschuss und Gegenreaktion erheblich.
Für das niederländische Heer bedeutet das, dass Investitionen in Feuerkraft Hand in Hand mit Investitionen in Sensoren, Netzwerke und schnelle Entscheidungsfindung gehen müssen. Das Video von Thales zeigt, dass die Niederlande dieses Zusammenspiel aktiv testen und weiterentwickeln.
Obwohl es sich hier noch um eine Übung handelt, macht die Demonstration deutlich, wie künftige Gefechtsoperationen aussehen können: ein enges Zusammenspiel von Sensoren und Waffen, bei dem Geschwindigkeit, Mobilität und Information entscheidend sind.
























