Heute veröffentlichte Boeing ein Video der Kampfdrohne MQ-28, die selbstständig eine Luft-Luft-Rakete abfeuert und ein schnell fliegendes Ziel ausschaltet. In Australien, auf dem riesigen Testgelände Woomera, schrieb die MQ-28 Ghost Bat damit Luftfahrtgeschichte. Die Royal Australian Air Force und Boeing Defence Australia haben jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet, doch der erfolgreiche Test zeigt vor allem, wie schnell sich unbemannte Strahlflugzeuge entwickeln. Die Ghost Bat ist kein einfacher Aufklärer oder Bomber – sie ist als vollwertiger „Wingman“ ausgelegt, der neben bemannten Kampfjets operieren und sogar Luftkämpfe führen kann.
Die MQ-28 sieht aus wie ein kompakter, schlanker Jet mit geringer Radarsignatur. Mit rund 11,7 Metern Länge und einem Rumpf aus modernen Verbundwerkstoffen ist sie dafür gebaut, leise zu fliegen, für Radar schwer sichtbar zu sein und dennoch große Strecken zurückzulegen. In den letzten Jahren sammelten Prototypen über 20.000 Stunden Simulationserfahrung und Hunderte Flugstunden, in denen getestet wurde, wie die Drohne auf extreme Manöver, verschiedene Sensoren und wechselndes Wetter reagiert. Schon früh war klar: Dieses Fluggerät ist mehr als ein Experiment. Es ist für echte Einsätze gedacht.
Video Boeing Australien
Waffentest
Im Dezember wurde dieses Ziel Wirklichkeit. Beim Waffentest flog die Ghost Bat gemeinsam mit einer E-7A Wedgetail und einer F/A-18F Super Hornet. Der Kampfjet identifizierte das Ziel, die Wedgetail gab die Feuerfreigabe, und die Ghost Bat führte den Angriff aus. Besonders an dem Test ist, dass die Drohne nicht einfach Befehle ausführte. Sie war ein aktives Glied der Kette aus Erfassung, Verfolgung und Angriff – eine Rolle, die bisher bemannten Flugzeugen vorbehalten war. Die abgefeuerte Luft-Luft-Rakete AIM-120 AMRAAM wurde präzise gelenkt und zerstörte das Ziel. Damit ist bewiesen, dass eine autonome Kampfdrohne einen modernen Luftkampf führen kann.
Die Konstruktion der Ghost Bat erklärt, warum sie diesen Schritt machen kann. Boeing baute sie auf einer modularen Architektur auf, sodass Sensoren, Waffen und elektronische Systeme schnell getauscht oder ergänzt werden können. Einmal dient sie als Aufklärer oder vorgeschobene Sensorplattform, dann als Träger elektronischer Kampfführung oder als Waffenplattform für Luft- oder Bodenangriffe. Diese Flexibilität macht die Ghost Bat attraktiv für Länder, die ihre Luftwaffe stärken wollen, ohne Milliarden für zusätzliche bemannte Jets auszugeben.

(Bild Boeing)
Mindestens ebenso interessant ist das Produktionskonzept. Australien hat stark in die heimische Fertigung investiert, sodass die Drohne größtenteils im eigenen Land gebaut wird. Dank moderner Fertigungstechniken, digitaler Montage und leichter Verbundwerkstoffe liegen die Kosten deutlich unter denen herkömmlicher Kampfjets. So lassen sich nicht ein oder zwei, sondern Dutzende kaufen – und das verändert die Strategie von Luftwaffen grundlegend. Statt weniger sehr teurer Plattformen kann ein Land eine größere Flotte relativ bezahlbarer unbemannter Fluggeräte aufbauen, die gemeinsam enorme Feuerkraft und Flexibilität bieten.
Nach dem erfolgreichen Raketentest gab die australische Regierung sofort bekannt, eine neue Serie Ghost Bats bestellt zu haben. Neben einsatzfähigen Maschinen wird an einer verbesserten „Block 3“-Version gearbeitet, die mehr Autonomie, größere Sensorreichweite und möglicherweise größere Flugstrecken erhalten soll. Die RAAF sieht die Ghost Bat als eine der wichtigsten Säulen ihrer künftigen Luftwaffe, neben bemannten Jets wie der F-35. Australien ist überzeugt: Die nächste Generation der Luftwaffe wird eine Mischung aus Mensch und Maschine, bei der Drohnen die gefährlichsten Aufgaben übernehmen und Piloten die strategische Führung behalten.
Die Bedeutung der Ghost Bat reicht jedoch über Australien hinaus. Weltweit suchen Länder nach Wegen, ihre Luftwaffe zu stärken, ohne von extrem teuren Kampfjets abhängig zu werden. Der erfolgreiche Luft-Luft-Test zeigt, dass Drohnen nicht mehr auf Aufklärung oder Bombardierung beschränkt sind: Sie können eine aktive Rolle in Luftkampf, Luftverteidigung und beim Ausschalten feindlicher Flugzeuge spielen. Das macht sie zu einem ernsthaften Faktor in künftigen Konflikten. Günstigere, autonome Fluggeräte, die zusammen operieren, können Stückzahlen erreichen, mit denen keine traditionelle Luftwaffe mithalten kann. Das ist die Zukunft der Luftstreitkräfte weltweit.
























