China baut in hohem Tempo an einer Flotte, die die Machtverhältnisse auf See verändern kann. Das auffälligste Symbol dafür ist der Typ 055, ein Zerstörer, der so groß und schwer bewaffnet ist, dass viele Marineexperten ihn lieber als Kreuzer bezeichnen. Mit 180 Metern Länge, 13.000 Tonnen Verdrängung und 112 Startzellen ist er das beeindruckendste Überwasserschiff, das die chinesische Marine je gebaut hat.
Das erste Schiff der Klasse, die Nanchang, wurde 2020 in Dienst gestellt. Inzwischen sind mindestens acht Typ 055 aktiv unterwegs, während Nummer zehn kürzlich vom Stapel lief. Zudem sind mehrere Rümpfe im Bau, was darauf hindeutet, dass China es nicht bei einer Serie belassen will. Mehreren Militäranalysten zufolge strebt Peking letztlich eine Flotte von 16 oder sogar mehr Superzerstörern an. Dieses Tempo steht in scharfem Kontrast zu den USA, wo der Bau neuer großer Überwasserschiffe langsamer vorankommt und der Nachfolger der Arleigh-Burke-Klasse erst Anfang der 2030er-Jahre erwartet wird.
Video: Hier feuert ein Typ 055 einen hyperschallschnellen Seezielflugkörper (YJ-20) ab
Ein schwimmendes Arsenal
Besonders am Typ 055 ist nicht nur seine Größe, sondern vor allem, was unter Deck steckt. Die 112 vertikalen Startzellen können mit einer breiten Palette von Waffen bestückt werden: Langstrecken-Flugabwehrraketen, Marschflugkörper für Angriffe auf Landziele, moderne Seezielflugkörper wie die YJ-18 und U-Jagd-Raketen. Diese Vielseitigkeit macht das Schiff für nahezu jedes denkbare Szenario geeignet.
Die Bewaffnung wird durch ein fortschrittliches Sensorpaket unterstützt. Der Typ 055 verfügt über ein modernes AESA-Radar, das Ziele auf große Entfernung erfasst, während Sonar, Hubschrauber und Abfangwaffen es dem Schiff ermöglichen, U-Boote und anfliegende Flugkörper zu bekämpfen. Der Entwurf zielt klar auf Einsätze fern der chinesischen Küste und damit auf eine Rolle als Kernschiff künftiger chinesischer Flottenverbände.

China baut weiter – die USA schauen zu
Das rasche Wachstum der Typ-055-Flotte steht nicht für sich allein. China arbeitet zugleich an neuen Flugzeugträgern, moderneren Zerstörern, verbesserten U-Booten und einer weltweit reichenden Logistikfähigkeit. Die Marine des Landes, einst vor allem auf Küstenverteidigung ausgerichtet, entwickelt sich schnell zu einer echten Hochseemarine – einer Flotte, die weltweit dauerhaft operieren kann.
Die USA – jahrzehntelang die unangefochtene Nummer eins auf See – beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Viele amerikanische Ticonderoga-Kreuzer erreichen das Ende ihrer Nutzungsdauer, und der Nachfolger DDG(X) befindet sich noch in der Entwurfsphase. Mehrere Schiffsklassen waren in Entwicklung, wurden aber wegen hoher Kosten oder technischer Probleme gestoppt. Die US Navy muss sich daher derzeit vor allem auf Modernisierungen der bestehenden Arleigh-Burke-Klasse stützen, während China in Rekordtempo immer größere und fortschrittlichere Schiffe in Dienst stellt. Amerika hat derzeit ganz sicher ein Problem mit seiner Marine.
Eine weltweite Verschiebung
Die Präsenz so schwerer chinesischer Kriegsschiffe hat direkte Folgen für strategische Regionen wie das Südchinesische Meer, die Straße von Taiwan und wichtige Handelsrouten. Je mehr Typ 055 in Dienst gestellt werden, desto größer wird Chinas Fähigkeit, Einfluss über die eigene Region hinaus auszuüben. Das kann zu neuen Spannungen führen, aber auch zu einer Neujustierung der internationalen militärischen Kräfteverhältnisse.
Die große Frage ist, wie sich der Typ 055 in einer echten militärischen Konfrontation bewähren würde. Die US-Marine hat nach wie vor mehr Erfahrung mit Großoperationen und einen breiten technologischen Vorsprung bei U-Booten, Luftstreitkräften und integrierten Systemen. Zugleich zeigen die chinesischen Werften, was Tempo und Größenordnung bedeuten: Wo die USA planen, liefert China bereits.
Die neue maritime Realität
Der Typ 055 ist damit mehr als ein beeindruckendes Schiff. Er ist ein Zeichen für Chinas Ambitionen und für eine sich verändernde Welt auf See. Geht die Produktion in diesem Tempo weiter, fährt binnen weniger Jahre eine Flotte von sechzehn oder mehr Superzerstörern, bereit, die chinesische Flagge auf Ozeanen zu zeigen, die lange vor allem von amerikanischen Schiffen beherrscht wurden.
Das maritime Kräfteverhältnis verschiebt sich. Und während die USA an neuen Konzepten und künftigen Schiffstypen arbeiten, zeigt China mit jedem Stapellauf, dass die Vorherrschaft auf See keine feste Größe ist, sondern ein Rennen, das neu ausgetragen wird.
























