Das deutsche Verteidigungs-Start-up Helsing hat erneut eine klare Botschaft gesendet: Europa muss Drohnen nicht nur entwickeln, sondern vor allem in großer Zahl produzieren. In einem aktuellen Video zeigt das Unternehmen seine zweite „Resilience Factory“ in Deutschland, in der inzwischen 600 HX-2-Angriffsdrohnen pro Monat vom Band laufen.
Vor fünf Jahren war eine solche Fabrik in Deutschland kaum vorstellbar. Sowohl Deutschland als auch die Niederlande setzten Drohnen vor allem in begrenzter Zahl zur Aufklärung ein. Heute geht es um industrielle Produktion im großen Maßstab, für die Ukraine und für die eigenen Streitkräfte.
Was ist die HX-2 und warum ist diese Drohne so wichtig?
Die HX-2 ist eine sogenannte Loitering Munition, eine Angriffsdrohne, die zunächst über dem Zielgebiet „herumlungern“ kann, bevor sie zuschlägt. Anders als klassische Aufklärungs-UAVs ist sie keine fliegende Kamera, sondern eine direkt einsetzbare Präzisionswaffe.
Die Drohne ist darauf ausgelegt, relativ günstig, schnell herstellbar und einfach zu bedienen zu sein. Sie kann selbstständig in ein Zielgebiet navigieren, dort nach einem Ziel wie einem Fahrzeug oder einer Artilleriestellung suchen und dann mit einer integrierten Ladung einschlagen.
Helsing ist vor allem für seine künstliche Intelligenz bekannt. Diese Software ermöglicht es der HX-2, auch in Umgebungen mit elektronischer Störung zu operieren. Das ist entscheidend, denn in der Ukraine sieht man täglich, wie GPS-Signale gestört und Drohnen durch elektronische Kampfführung „geblendet“ werden. Deshalb werden inzwischen auch massenhaft Glasfaserdrohnen produziert
Mit einer Produktion von 600 Drohnen pro Monat positioniert sich Deutschland auf einen Schlag als einer der größten europäischen Hersteller von Angriffsdrohnen.
600 Drohnen pro Monat: industrieller Maßstab in Europa
Die Stärke dieser zweiten Fabrik liegt nicht nur in der Stückzahl, sondern in der Kontinuität. Sechshundert Drohnen pro Monat bedeuten Tausende Systeme pro Jahr. Das ermöglicht die langfristige Unterstützung eines Konflikts und erlaubt der Bundeswehr, eigene Einheiten dauerhaft auszurüsten.
Die Produktion ist modular aufgebaut. Helsing kann daher relativ schnell Verbesserungen an Design oder Software umsetzen, ohne dass die gesamte Fertigungslinie stillsteht. In einem Krieg, in dem technologische Anpassungen mitunter binnen Wochen eingeführt werden, ist das ein strategischer Vorteil.
Lieferungen an die Ukraine und deutsche Wiederaufrüstung
Die HX-2 wurde zunächst mit Blick auf die Ukraine entwickelt. Helsing lieferte in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bereits Tausende Drohnen nach Kyjiw. Die neue Fabrik soll diese Lieferungen dauerhaft absichern.
Zudem hat Deutschland selbst inzwischen 12.000 Drohnen bestellt. Das ist eine bemerkenswerte Zahl für ein Land, das jahrelang äußerst zurückhaltend bei bewaffneten unbemannten Systemen war. Die Bestellung dient dem Aufbau spezialisierter Angriffsdrohneneinheiten in der Bundeswehr.
Helsing arbeitet dabei eng mit der Bundesregierung zusammen. Auch wenn die genauen Vertragsdetails nicht vollständig veröffentlicht wurden, ist klar, dass das Unternehmen direkte Vereinbarungen mit dem Bundesministerium der Verteidigung über Lieferung und Hochskalierung hat.
Vor fünf Jahren undenkbar: Deutschland und die Niederlande im Drohnen-Turbo
Die Wende ist historisch. Vor weniger als fünf Jahren war der Einsatz bewaffneter Drohnen in Deutschland politisch äußerst heikel. In den Niederlanden war das kaum anders. Drohnen galten vor allem als unterstützende Systeme für die Aufklärung.
Der Krieg in der Ukraine hat dieses Bild grundlegend verändert. Kleine, billige Drohnen erwiesen sich als fähig, Panzer auszuschalten, Artillerie aufzuklären und ganze Einheiten zu stören. Die klassische Trennung zwischen Luftwaffe und Heer verschwimmt, wenn jede Infanterieeinheit über eigene Luftfähigkeiten verfügt.
Auch die Niederlande haben inzwischen Schritte zu einer eigenen Produktion unbemannter Systeme unternommen, sowohl für die Aufklärung als auch für den bewaffneten Einsatz. Was in der Ukraine aus der Not begann, wird nun zur Doktrin.
Was bedeutet das für die europäische Rüstungsindustrie?
Die zweite deutsche Resilience Factory ist mehr als eine Fabrikhalle. Sie ist ein Signal, dass Europa auf Skalierbarkeit setzt. Moderne Kriegsführung dreht sich nicht mehr nur um technologische Überlegenheit, sondern auch um Produktionskapazität.
Wer Hunderte Drohnen pro Monat bauen kann, kann einen Konflikt langfristig unterstützen. Wer das nicht kann, wird von ausländischen Lieferanten abhängig.
Mit 600 HX-2-Drohnen pro Monat macht Deutschland einen klaren Schritt in diese Richtung. Vor fünf Jahren war das undenkbar. Heute ist es Realität.
























